Myopie und Myopieprogression

Wer ist Kurzsichtig?

Myop (kurzsichtig) ist derjenige, dessen Auge für eine scharfe Abbildung weit entfernter Objekte falsch gebaut ist: die Brechkraft des Auges passt nicht zu seiner Länge, meist ist es zu lang. Nahe Objekte können je nach Stärke der Myopie scharf gesehen werden.

Entwicklung der Myopie

Bei der Geburt sind die Augen gewöhnlich leicht hyperop (weitsichtig): das Auge ist zu klein für seine Brechkraft. Mit zunehmendem Alter wird das Auge größer und damit emmetrop (rechtsichtig). Die Myopie beginnt häufig mit dem Schuleintritt und die stärksten Veränderungen beobachtet man zwischen dem 8. und 15. Lebensjahr. Je früher sie startet umso stärker wird sich die Myopie entwickeln. Nach dem 24. Lebensjahr entwickelt sich eine Myopie in der Regel nur noch geringfügig und kommt dann häufig zum Stillstand.

 

Auf einen Blick

  • Myopie ist in den meisten Fällen ein Baulängenfehler des Auges.
  • "Weit" entfernte Dinge werden unscharf gesehen, Nahe Objekte besser.
  • Die Wahrscheinlichkeit Kurzsichtig zu werden steigt seit einigen Jahren stetig an.
  • Eine hohe Myopie kann im Erwachsenenalter zu schwerwiegenden Netzhautveränderungen und -erkrankungen führen.
  • Die Gabe von 0,01%igem Atropin, das Tragen spezieller Kontaktlinsen und das Einhalten einiger einfacher Regeln kann die Entwicklung der Kurzsichtigkeit stark verlangsamen.

Verschwindet eine Myopie wieder?

Das Wachstum des Auges lässt sich nicht wieder rückgängig machen. Eine Myopie bleibt also in der Regel bestehen oder schreitet langsam voran.

Verschiedene Arten der Myopie

Vergleich normales und zu kurzes Auge

Die häufigste Form der Myopie mit etwa 90% ist die leichte, voranschreitende Myopie, die im Grundschulalter beginnt und im Erwachsenenalter selten höhere Werte als -6 dpt erreicht. Bis zu 50% der Abiturienten/innen sind heutzutage schon myop. Angeborene Myopien sind oft bereits im Kindergarten deutlich ausgeprägt und können -20 dpt erreichen oder sogar überschreiten. Eine hohe Myopie >6 dpt kommt in Deutschland bei etwa 2-5%, in China aber bereits bei bis zu 20% der Menschen vor. In Asien sind bereits ca. 90% der Bevölkerung myop. Eine Analyse aus dem Brian Holding Institut (Australien) geht davon aus, das bis 2050 weltweit fast die Hälfte der Menschen myop sein werden.

Ist eine Myopie schädlich?

Bei einem überdurchschnittlich langen Auge steigt das Risiko von degenerativen Veränderungen der Netzhaut überproportional an. Die Netzhaut, die die Innenfläche der Augen auskleidet und für das Sehen unabdingbar ist, verdünnt sich mit zunehmender Länge des Auges. Dadurch besteht ein erhöhtes Risiko von Netzhautrissen oder -ablösungen, für früheren Beginn des grauen Stars und zu hohen Augendrucks. Ab einer Myopie von 6 dpt steigt auch das Risiko, an einer Makuladegeneration mit willkürlichen Gefäßneubildungen zu erkranken, wodurch die Lese- und Arbeitsfähigkeit stark beeinträchtigt werden kann.

Ist eine Myopie erblich?

Ja und Nein. Studien zeigen, dass es eine genetische Komponente gibt – eineiige Zwillinge sind meist ähnlich myop – bei der es umso wahrscheinlicher ist kurzsichtig zu werden, je mehr Elternteile Myop sind. Es ist mittlerweile aber auch unumstritten, dass umweltbezogene Faktoren wie frühes und langes Lernen, wenig Zeit im Freien, viel Naharbeit/Spiel in geschlossenen Räumen für einen Großteil der Myopieentwicklung mit verantworlich sind.

Kann man etwas gegen das Fortschreiten der Myopie tun?

Atropa Belladonna

Eine bereits entstandene Myopie ist unumkehrbar, die Progression hingegen kann man mit verschiedenen Mitteln hemmen.

  • Lichteinwirkung
    Gute Umgebungshelligkeit und Aufenthalt im Tageslicht sind ein lang bekanntes Mittel um die Zunahme der Myopie zu reduzieren. Tageslicht sorgt für Ausschüttung von Dopamin, was hemmend auf das Voranschreiten des Längenwachstums wirkt. Wie viel Zeit draußen sein muss ist zwar nicht abschließend geklärt, dass es mehr als 1 Stunde sein sollte, ist aber unstrittig. Naharbeit und deren Dauer
  • Regelmäßige Pausen
    beim Lesen und Lernen und ein vergrößerter Leseabstand reduzieren die Zunahme der Kurzsichtigkeit leicht. Gerade Smartphonebildschirme sind häufig so fein aufgelöst, dass die Telefone sehr dicht gehalten werden müssen.
  • Spezielle Brillengläser und Unterkorrektur
    In speziellen Experimenten mit Tieren konnte man zeigen, dass sich periphere Netzhautbilder, die bei einer normalen Brillenkorrektur räumlich hinter der Ebene der Lichtempfindlichen Netzhautzellen liegen, für das Längenwachstum des Auges mit verantwortlich sind. Technisch kann man Brillengläser herstellen, die diesen Nachteil weniger haben. Die einzige Variante die sich als wirkungsvoll heraus gestellt hat, sind die wenig „coolen“  Bifokalgläser (Zweistärkengläser). Eine einfache Unterkorrektur funktioniert zwar (wenig), hat durch das dann schlechte Sehen in der Ferne zu hohe Nachteile.
  • Kontaktlinsen
    Wesentlich bessere Ergebnisse erzielt man mit speziellen Kontaktlinsen, sei es Bifokal-, Ortho-K (Nachtlinsen) oder Multifokal-Kontaktlinsen. Diese erzeugen gute periphere Netzhautbilder und korrigieren gleichzeitig auch die Fehlsichtigkeit. Im Gegensatz zur Behandlung mit Atropin (s. Medikamente) tritt bei allen optischen Verfahren kein Reboundeffekt auf. Die erzielte Reduktion bleibt erhalten.
  • Medikamente (Atropin 0,01%)
    Neben aktuell noch laufenden Versuchen mit Gabe von Dopamin hat sich in Studien Atropin als sehr Wirksam herausgestellt. Für die Hemmung der Myopie wird eine deutlich reduzierte Dosierung angewendet (100 fach verdünnt). Das hat den Vorteil, dass beim Absetzen des Medikaments nach 2 Jahren so gut wie kein Reboundeffekt auftritt und sehr geringe Nebenwirkungen - Pupille ist im Mittel nur 1 mm größer - bemerkbar sind. Der Effekt bleibt vergleichbar gut.

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